Die Bundesregierung will viel mehr E-Autos auf die Straße bringen: Bis zum Jahr 2022 sollen eine Million Fahrzeuge mit Elektroantrieb in Deutschland zugelassen sein. Und mehr als zehn Millionen Autos sollen bis 2030 zwischen Zingst und Zugspitze fahren. 300.000 Ladestationen sollen laut des neusten Masterplans dafür gebaut werden. Doch schon jetzt
werden Stimmen laut, die von einer Überforderung des Stromnetzes sprechen – und große Stromausfälle prognostizieren. In einer Analyse geht das Online-Nachrichtenportal „Zeit Online“ der Frage nach, ob diese Sorgen gerechtfertigt sind.
Die eindeutige Antwort: Die Angst vor Überlastung der Stromnetze ist unbegründet. Das Nachrichtenportal verweist unter anderem auf Studien von innogy. Der Essener Energieversorger erstellt oder beteiligt sich an deutschen und europäischen Szenarien, die untersuchen, ob der Verlauf von Energie- und Mobilitätswende zusammenpassen. Der Artikel zitiert Armin Gaul, Leiter der technischen Produktentwicklung bei innogy: „All die Studien kommen zu dem Schluss, dass das bestehende Stromnetz kein Verhinderer der Elektromobilität ist, sondern sie erst möglich macht.“ Schon jetzt seien bei einer intelligenten Steuerung der Ladevorgänge 1,1 Elektroautos pro Haushalt möglich, ohne das Energienetz um- oder ausbauen zu müssen. Das wären etwa 45 Millionen elektrisch betrieben Fahrzeuge in Deutschland.
Während der Anteil von Elektroautos laut dem Center of Automotive Management weltweit durchschnittlich bei 2,4 Prozent liegt, machen E-Autos in Deutschland nur zwei Prozent des Verkehrs aus. 1,2 Milliarden Euro an Fördermitteln hatte die Regierung zur Verfügung gestellt, um Anreize für Autokäufer zu schaffen – bis zum Juni 2019 waren erst 400 Millionen Euro abgerufen worden.
In einer Studie des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte gaben die Befragten als Hauptargumente gegen den E-Auto-Kauf die mangelnde Reichweite, den hohen Preis und die unzureichende Ladeinfrastruktur an.
Doch wie sieht es mit dem steigenden Strombedarf durch die Elektrifizierung des Verkehrs aus? Auch hier gibt die Analyse Entwarnung. Laut dem innogy-Experten würde der Strombedarf lediglich um rund 20 Prozent steigen, wenn alle Autos elektrisch fahren. Eine Modellrechnung des Onlineportals „Edison“, das vom Handelsblatt herausgegeben wird, kommt zu ganz ähnlichen Zahlen (eine Zusammenfassung des Artikel finden Sie hier). Da der Wandel sich über viele Jahre erstreckt, wird der Mehrbedarf als keine große Herausforderung für die Energiewirtschaft gesehen.
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